Modernisierung des Umspannwerks in Ottenhofen

Eine Operation am offenen Herzen


Das Umspannwerk in Ottenhofen wird seit 2018 erneuert. Die Bauarbeiten finden neben dem regulären Betrieb statt – eine Besonderheit für die Technikerinnen und Techniker. Im Dezember hat eine neue Kompensationsspule den Weg ins Umspannwerk gefunden, somit hat unser Team einen wichtigen Meilenstein erreicht. Aber warum muss das Umspannwerk modernisiert werden und wozu braucht es die Kompensationsspule?

Das Umspannwerk wird fit für die Energiewende

Die Anlage wurde in den 1970er Jahren gebaut, sie wird den Anforderungen an Versorgungssicherheit und Energiewende künftig nicht mehr gerecht. Die zunehmend dezentrale Einspeisung erneuerbarer Energie ist auch der Grund, warum die Leitung nach Oberbachern erneuert wird. Damit steigt ihre Übertragungskapazität, das verändert die Anforderungen an die angeschlossenen Umspannwerke. „Eine Operation am offenen Herzen“, so nennen die Technikerinnen und Techniker die Umbauarbeiten während des laufenden Betriebs des Umspannwerks. Zur Sicherheit der Arbeitskräfte im Umspannwerk müssen temporär immer wieder bestimmte Anlagenteile ausgeschaltet werden. Diesen Leistungsverlust auszugleichen ist eine technische Herausforderung für unsere Mitarbeiter vor Ort. Nach aktuellem Planungsstand werden die Baumaßnahmen 2030 zu Ende gehen.


400 Tonnen in Richtung des Umspannwerks Ottenhofen

​Ein besonderes Highlight und gleichzeitig eine echte technische Herausforderung war Ende 2022 der Transport der neuen rund 200 Tonnen schweren Kompensationsspule. Die Spule wurde in Mönchengladbach produziert. Von dort aus ging es zunächst auf der Schiene zum Hafen nach Krefeld. Anschließend wurde sie per Binnenschiff nach Nürnberg gebracht. Dort kam das Gerät auf ein Straßenschwerlasttransport. Ein insgesamt 70 Meter langes und 400 Tonnen schweres Gefährt bewegte sich langsam durch die gesperrten Straßen bis zum Umspannwerk Ottenhofen. Nach mehreren Monaten Vorarbeit und zwei Tagen Fahrt war es dann soweit: die Spule ist im Umspannwerk angekommen.

Endlich im Umspannwerk. Die Spule wurde per 32-achsigen Schwerlasttransport nach Ottenhofen gebracht.

Wofür brauchen wir die Kompensationsspule?

Die Spule stabilisiert das Höchstspannungsnetz. Das ist wichtig, weil das Höchstspannungsnetz europaweit mit einer Netzfrequenz von 50 Hertz betrieben wird. Schon kleinste Abweichungen, hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht von Einspeisung und Verbrauch, können zu schweren Störungen führen, bis hin zum Ausfall des Netzes. Der zunehmend erneuerbar erzeugte Strom wird dezentral und in schwankender Menge eingespeist und muss grenzüberschreitend verteilt werden. Die gleichzeitige schrittweise Abschaltung der konventionellen Kraftwerke trägt dazu bei, das Netz zu destabilisieren. Hier setzt die Wirkung der Spule ein: Mit sogenannter „induktiver Blindleistung“ kompensiert sie Schwankungen der Netzfrequenz. Mehr Infos zum Thema „Blindleistung“ gibt es auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. 

Übrigens: Bereits vor rund 30 Monaten haben wir die Herstellung und den Transport der Spule in Auftrag gegeben. Sie wird gerade ans Netz geschlossen und voraussichtlich im Mai 2023 in Betrieb gehen.

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