Umspannwerk Ottenhofen

Das Umspannwerk

Das Umspannwerk Oberbachern ist ein wichtiger Knoten für die Energieversorgung im Nordwesten von München.

Von hier aus führen Leitungen verschiedener Netzbetreiber und Spannungsebenen in alle Richtungen: nach Nordwesten Richtung Meitingen, nach Süden Richtung Karlsfeld und Oberbrunn sowie nach Nordosten Richtung Ottenhofen. Die Anlage wurde in den 1970er Jahren gebaut und muss grundlegend erneuert sowie ausgebaut werden.

Gut zu wissen: Was ist ein Umspannwerk?

Umspannwerke sind die Dreh- und Angelpunkte unserer Stromversorgung. Hier werden Stromleitungen miteinander verbunden, Strom wird auf verschiedene Spannungsebenen transformiert und weitergeleitet. Im Prinzip lässt sich unser Stromnetz mit dem Straßennetz vergleichen: Dort gibt es Autobahnen für die großen Distanzen, Bundes- und Landstraßen für mittlere Distanzen und Ortsstraßen, die unsere Häuser miteinander verbinden. Über Kreuzungen sowie Auf- und Abfahrten sind sie miteinander verbunden. Die Autobahnen für das Stromnetz sind die Höchstspannungsleitungen mit einer Spannung von 220.000 oder 380.000 Volt (entspricht 220 bzw. 380 Kilovolt). In den Umspannwerken treffen zunächst die Leitungen aufeinander und werden miteinander verbunden – wie an einer Straßenkreuzung. Über Höchstspannungsleitungen mit 220 oder 380 Kilovolt wird die Energie aus den (Groß-) Kraftwerken zu den Umspannwerken transportiert und dort auf das nächstniedrigere Spannungsniveau von 110 Kilovolt transformiert.

Schritt für Schritt zum neuen Umspannwerk

Aufgrund der zentralen Rolle für den Großraum München muss das Umspannwerk über die gesamte Dauer der Arbeiten in Betrieb bleiben. Der Um- und Ausbau erfolgt daher in einzelnen Schritten.

Zunächst tauschte unser Projektteam bis 2023 Fundamente, Hochspannungsgeräte und Sammelschienen aus, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten. Außerdem wurden zwei neue Transformatoren zur Verbindung der verschiedenen Spannungsebenen errichtet. Diese modernen Anlagen sind leiser als ältere Modelle und wurden zusätzlich eingehaust, sodass deutlich weniger Lärm nach außen dringt.

Für die Wegeplanung steht unser Team seit 2023 in engem Austausch mit den beteiligten Gemeinden sowie Anwohnerinnen und Anwohnern. Ziel war und ist es, die Wege auch während der Bauphase und natürlich nach der Erneuerung des Umspannwerks weiterhin nutzen zu können. 
Im Sommer 2026 haben wir mit dem Wegebau begonnen, etwa für die neue Baustellenzufahrt. In Kürze wird auch der Feldweg nördlich des Biotops ausgebaut und kann dann vom landwirtschaftlichen Verkehr genutzt werden. Parallel beginnen wir mit dem Bau des neuen Betriebsgebäudes.

Geplante Baumaßnahmen im Bereich der Schaltanlage

Im Januar 2026 wurden die für den Bau notwendigen Flächen im Nordosten der bestehenden Anlage gerodet. Seit Mai 2026 bereitet unser Team östlich der bestehenden Anlage das Gelände für die Schaltanlage vor und hat bereits erste Fundamente für Portale und Schaltfelder gesetzt. Die neuen Schaltfelder werden alle in 380-kV-Technik gebaut. So kann die Anlage auch nach der Abschaltung der bisherigen 220-kV-Systeme weiterhin betrieben werden. Auf diese Weise bauen wir das Umspannwerk wirtschaftlich und nachhaltig um. Nach Abschluss dieses Bauabschnitts erfolgt nach und nach von Ost nach West der weitere Rückbau und die Erneuerung der alten Schaltanlagen.

In den kommenden Jahren installiert TenneT im Umspannwerk Oberbachern zudem einen „Rotierenden Phasenschieber“. Er stabilisiert das Netz. Bei der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien kommt es sowohl saisonal als auch regional zu starken Schwankungen. Diese können große Auswirkungen auf das Stromnetz haben. Die Hauptaufgabe des Rotierenden Phasenschiebers besteht darin, sogenannte Blindleistung bereitzustellen oder zu kompensieren. Dadurch stabilisiert er die Netzspannung. In der Vergangenheit wurde diese Aufgabe vor allem von konventionellen Kraftwerken übernommen. Die Phasenschieber-Anlagen ermöglichen außerdem eine leichtere Fehlererkennung und erhöhen damit zusätzlich die Netzstabilität.

Frequenz, Spannung und Blindleistung

Das deutsche Stromnetz wird weitestgehend als Drehstromnetz mit einer Frequenz von exakt 50 Hertz betrieben. Das heißt, dass jede Sekunde 50-mal die Stromrichtung von Plus zu Minus und zurück wechselt. Damit dieser kontinuierliche Richtungswechsel stattfinden kann, müssen elektrische und magnetische Felder erzeugt werden. Im Gegensatz zur Wirkleistung, die tatsächlich für den Betrieb elektrischer Geräte verwendet wird, ist die sogenannte Blindleistung für den Aufbau dieser Felder zuständig. Blindleistung kann also nicht von den Verbraucherinnen und Verbrauchern genutzt werden. Sie erzeugt aber die Spannung, die nötig ist, um elektrische Energie durch die Leitungen zu transportieren. Ohne Blindleistung kommt folglich auch die Wirkleistung im Drehstromnetz nicht ans Ziel. Wichtig ist dabei, dass die Blindleistung genau und schnell reguliert werden kann: Ist zu viel Blindleistung im Netz, steigt die Spannung. Das kann zu Schäden an den angeschlossenen Geräten und Anlagen führen. Zu wenig Blindleistung führt zu einem Spannungsabfall und der Strom kann nicht in ausreichender Menge transportiert werden. Ein Stromausfall kann die Folge sein.

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